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Mus. Ep. F. Busoni 670 (Busoni-Nach. B I) Mus. Nachl. F. Busoni BI, 779
An Frieda Kwast-Hodapp
Frau Professor
Frieda Kwast-Hodapp,
Holzdorf bei Weimar.
(bei Herrn Dr. Krebs.)
Verehrteste Frau,
ich habe von Weimar manche gute Erinnerung heimgebracht, die
ich gern bewahre.
Busoni war Gast bei der Bauhaus-Austellung, die vom 15. August bis 30. September in Weimar stattfand
(N. N. 2023).
Schon Ihre freundliche Begrüssung durch Zu- schrift, Blumen und Körbchen wirkte bei der Ankunft wohlthuend:
darauf konnte ich auch Ihnen zwei mal die Hand drücken, Ihnen
u. Meister James; ich hatte Freude an Petris Vortrag
Zur Eröffnungswoche der Ausstellung wurden am 18. August 1923 sechs von Busonis Klavierstücken - darunter vier Uraufführungen - von Egon Petri gespielt
(N. N. 1922f). Dabei handelte es sich um
Toccata (Preludio, Fantasia, Ciaccona)
Prélude et Etude en Arpèges für Pianoforte (Uraufführung), die ersten drei Stücke der
Fünf kurzen Stücke zur Pflege des polyphonen Spiels auf dem Pianoforte)(Uraufführung)und
Perpetuum mobile
(N. N. 2020).
und einen
sehr direkten Eindruck von Stravinsky’s „Spiel“.
Werke von Stravinsky, welcher auch zu Gast war, wurden ebenfalls am 19. August präsentiert
(N. N. 1922f).– Die Herren,
die ich kennen lernte, offenbarten sich als kluge, distinguirte
u. gütige Männer, wie ich sie hinter diesen „Anarchisten“ kaum
vermuthet hätte!
Auch zu Gast waren Hindemith, Krenek und Scherchen
(N. N. 1922f).
Dies alles ist ein Gewinn, nach langer Verein- samung.
Busoni war in diesem Jahr durch Krankheit gezeichnet, was besonders in seinem Brief vom 27. August 1923 an Robert Freund hervorgeht.
Ich danke Ihnen von Herzen für Ihre Aufmerksamkeiten
u. bitte, den Dank nach Holzdorf zu übermitteln. —
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An Frieda Kwast-Hodapp
Verehrteste Frau,
ich habe von Weimar manche gute Erinnerung heimgebracht, die
ich gern bewahre.
Busoni war Gast bei der Bauhaus-Austellung, die vom 15. August bis 30. September in Weimar stattfand
(N. N. 2023).
Schon Ihre freundliche Begrüßung durch Zuschrift, Blumen und Körbchen wirkte bei der Ankunft wohltuend:
darauf konnte ich auch Ihnen zweimal die Hand drücken, Ihnen
und Meister James; ich hatte Freude an Petris Vortrag
Zur Eröffnungswoche der Ausstellung wurden am 18. August 1923 sechs von Busonis Klavierstücken - darunter vier Uraufführungen - von Egon Petri gespielt
(N. N. 1922f). Dabei handelte es sich um
Toccata (Preludio, Fantasia, Ciaccona)
Prélude et Etude en Arpèges für Pianoforte (Uraufführung), die ersten drei Stücke der
Fünf kurzen Stücke zur Pflege des polyphonen Spiels auf dem Pianoforte)(Uraufführung)und
Perpetuum mobile
(N. N. 2020).
und einen
sehr direkten Eindruck von Stravinskys „Spiel“.
Werke von Stravinsky, welcher auch zu Gast war, wurden ebenfalls am 19. August präsentiert
(N. N. 1922f).– Die Herren,
die ich kennenlernte, offenbarten sich als kluge, distinguirte
und gütige Männer, wie ich sie hinter diesen „Anarchisten“ kaum
vermutet hätte!
Auch zu Gast waren Hindemith, Krenek und Scherchen
(N. N. 1922f).
Dies alles ist ein Gewinn, nach langer Vereinsamung.
Busoni war in diesem Jahr durch Krankheit gezeichnet, was besonders in seinem Brief vom 27. August 1923 an Robert Freund hervorgeht.
Ich danke Ihnen von Herzen für Ihre Aufmerksamkeiten
und bitte, den Dank nach Holzdorf zu übermitteln. —
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