Jella Oppenheimer to Ferruccio Busoni arrow_backarrow_forward

Aussee · August 22 to August 23, 1908

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Mus.ep. J. Oppenheimer 6 (Busoni-Nachl. B II)
Mus.Nachl. F. Busoni B II, 3437
[1]
Ramgut
Aussee Steyermark
den 22.8.1908

Lieber, werter Freund

Was müßen Sie von meinem
Schweigen nur denken? Es liegt
so viel dazwischen; und in dieser
Zeit der Rat und Rastlosigkeit
wollte ich nicht schreiben.

Ostende hat mir bis zuletzt nicht
behagt und erst die Rückreise über
AntwerpenBrüssel hat mir etwas
Entschädigung gebracht, trotzdem
ich zu unfrisch war um alles
Schöne voll aufzunehmen!

Einige Tage, die ich in Wien

Ramgut
Aussee, Steiermark
den 22.8.1908

Lieber, werter Freund

Was müssen Sie von meinem Schweigen nur denken? Es liegt so viel dazwischen; und in dieser Zeit der Rat- und Rastlosigkeit wollte ich nicht schreiben.

Ostende hat mir bis zuletzt nicht behagt, und erst die Rückreise über AntwerpenBrüssel hat mir etwas Entschädigung gebracht, trotzdem ich zu unfrisch war, um alles Schöne voll aufzunehmen!

Einige Tage, die ich in Wien verbracht habe, haben mir keine freie Zeit gelassen, und seit meiner Ankunft in Aussee verfüge ich weniger denn je über eine ruhige Stunde.

Wir sind einige zwanzig Personen im Hause, und es ist mühsam, all diese Elemente zu einen.

Denken Sie sich ungezählte Fäden, die stündlich durch allerlei Unverstand verwirrt werden, meine Aufgabe ist, sie immer wieder zu lösen. Oftmals ist der Knäuel so groß, dass ich verzagen möchte und es alle Kraft braucht, um mit endloser Geduld (die mir keineswegs angeboren ist) die Fäden schön säuberlich zu sondern, ohne sie abzureißen. So manche zurren und ziehen an meinem Herzen, und die Anspannung der Nerven nimmt den Schlaf. Allmählich, hoffe ich, wird alles glatter, ruhiger werden, und ich werde wieder zum Bewusstsein des eigenen Daseins kommen. Die Landschaft erquickt mich durch ihren Frieden und ist erholend nach der Unrast des Sinnens.

Morgen erwarte ich Bruckmann’s Vermutlich kam neben Else Bruckmann auch ihr Mann Hugo zu Besuch (, S. 3). als Gäste, Hofmannsthal ist bereits eingerückt und arbeitet so fleißig, dass ich ihn meist erst am Abend sehe. Er sagte erst gestern wieder, wie sehr er sich mit Ihrer Bekanntschaft gefreut. Benni habe ich leider nicht mehr gefunden, und Ihr kleiner Sohn war nicht daheim, wie ich Gurlitts besucht habe. Wie gerne möchte ich Sie herzaubern! Ich hoffe innig, es fügt sich einmal, und wir verleben wohltuend harmonische Tage unter diesem Dach – anders als die jetzigen, deren Anforderung an mich oft gar zu groß sind.

Ein Schmerz ist und bleibt es mir, dass die Wiener Tage Vom 21. April bis zum 15. Juli 1908 hatte Busoni 25 Schüler in Wien unterrichtet und im Palais Todesco gewohnt. Im Juni hatte dort zudem ein Musikabend mit den Schülern stattgefunden, zu dem Oppenheimer eingeladen hatte (vgl. Dent 1933, S. 163–166). zu Ende sind, wie werde ich Sie vermissen, liebster Freund!

Ihr Brief Nicht im Busoni-Nachlass überliefert. war mir eine Herzensfreude, und ich habe ihn im Geist tausendfach erwidert, viel und oft aus ganzer Seele zu Ihnen gesprochen und mitgelebt, nur ist es zu keiner greifbaren Form geworden, da ich nicht schreiben konnte.

Jetzt suchen Sie meine Gedanken daheim, und ich freue mich auf ein Zusammensein im Oktober, daran halte ich fest.

Frau Gerta bitte ich innigst zu grüßen, den Herren Gruenberg und Closson viel Herzliches, hoffentlich sehen wir uns im Herbst.

Von Petri hatte ich eine liebe Karte, er weiß nun auch, dass ich komme. Vielleicht findet sich die ganze Kolonie hier einmal zusammen, das wäre herrlich.

August 23, 1908Sonntag

Ich wurde unterbrochen, hatte die Post versäumt, und inzwischen habe ich heute Morgen Ihren lieben Brief über Wien erhalten. Verscheuchen Sie jeden unangenehmen Gedanken, liebster Freund, ich bitte Sie; es tut mir weh, Sie auch nur für einen Augenblick damit belastet zu wissen.

Aus ganzem Herzen freudigst wird Ihr Wunsch erfüllt, und ich beauftrage die Creditanstalt mit dieser Post, 5000 Mk. an Ihre Adresse zu senden.

Da all meine Geldangelegenheiten durch Gomperz, Lieben erledigt werden, ich, so merkwürdig es klingen mag, nie Bargeld liegen habe, weil ich mehr brauche, als ich soll und darf, ich andererseits nicht will, dass Ihr Name genannt wird, habe ich mich an die Creditanstalt gewendet, wo ich ein kleines Effekten-Depot habe.

Da Sie selbst die Rückzahlung an die Bank zu machen wünschen, so schreibe ich die Adresse auf und gebe die Form an, unter welcher es zu machen ist. „An die k. k. priv. oesterr. Creditanstalt für Handel und Gewerbe. Wien-I am Hof. Zur Gutschrift auf das Konto Bar. Jella Oppenheimer-Todesco. Wien I Kärntnerstraße 51.

Warum müssen diese Widrigkeiten die besten und edelsten Menschen quälen. Was gäbe ich, gerade Sie verschont zu wissen von sorgenden Gedanken, von dem Zwang der Reisen, die Ihre kostbare Zeit einengen und Sie nicht immer frei schaffen lassen. Wie unanständig ist das Schicksal – und doch auch gütig. Hat es mir doch Ihre Freundschaft gebracht, die mir so viel bedeutet.

Immer und für alle Zeiten hält dieselbe hoch und teuer

Ihre Jella Oppenheimer

                                                                
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verbracht habe, haben mir keine
freie Zeit gelaßen und seit
meiner Ankunft in Aussee
verfüge ich weniger denn je
über eine ruhige Stunde.

Wir sind einige zwanzig Personen
im Hause und es ist mühsam all
diese Elemente zu einen.

Denken Sie sich ungezählte Fäden,
die stündlich durch – allerlei Unverstand,
verwirrt werden, meine Aufgabe
ist sie immer wieder zu lösen. Oftmals
ist der Knäuel so groß, daß ich verzagen
möchte und es alle Kraft braucht Deutsche
Staatsbibliothek
Berlin

                                                                
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[2] um mit endloser Geduld (die mir
keineswegs angeboren ist) die Fäden
schön säuberlich zu sondern ohne
sie abzureißen. So manche zurren
und ziehen an meinem Herzen
und die Anspannung der Nerven
erf nimmt den Schlaf. Allmälig,
hoffe ich, wird alles glatter, ruhiger
werden und ich werde wieder
zum Bewußtsein des eigenen
Dasein’s kommen. Die Landschaft
erquickt mich durch ihren Frieden
und ist erholend nach der Unrast
des Sinnens.

Morgen erwarte ich Bruckmann’s Vermutlich kam neben Else Bruckmann auch ihr Mann Hugo zu Besuch (, S. 3). Deutsche
Staatsbibliothek
Berlin

                                                                
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als Gäste, Hofmannsthal ist bereits
eingerückt und arbeitet so fleißig,
dass ich ihn meist erst am Abend
sehe. Er sagte erst gestern wieder
wie sehr er sich mit Ihrer Bekannt⸗
schaft gefreut. Benni habe ich leider
nicht mehr gefunden und Ihr kleiner
Sohn
war nicht daheim wie ich Gurlitt’s
besucht habe. Wie gerne möchte
ich Sie herzaubern! Ich hoffe innig
es fügt sich einmal und wir
verleben wohltuend, harmonische
Tage unter diesem Dach – anders
als die jetzigen, deren Anforderung an
mich oft gar zu groß sind.

                                                                
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B II, 3437
[3]
Ramgut
Aussee Steyermark

Ein Schmerz ist und bleibt es
mir, dass die Wiener Tage Vom 21. April bis zum 15. Juli 1908 hatte Busoni 25 Schüler in Wien unterrichtet und im Palais Todesco gewohnt. Im Juni hatte dort zudem ein Musikabend mit den Schülern stattgefunden, zu dem Oppenheimer eingeladen hatte (vgl. Dent 1933, S. 163–166).
zu Ende sind, wie werde ich Sie
vermissen, liebster Freund!

Ihr Brief Nicht im Busoni-Nachlass überliefert. war mir eine Herzens⸗
freude und ich habe ihn im
Geist tausendfach erwidert, viel
und oft aus ganzer Seele zu
Ihnen gesprochen und mitgelebt, nur
ist es zu keiner greifbaren
Form geworden, da ich nicht
schreiben konnte.

Jetzt suchen Sie meine
Gedanken daheim und ich freue
mich [auf] ein Zusammensein im Oktober

                                                                
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daran halte ich fest.

Frau Gerta bitte ich innigst zu grüßen,
den Herren Grünberg und Closson viel
Herzliches, hoffentlich sehen wir uns
im Herbst.

Von Petri hatte ich eine liebe Karte,
er weiß nun auch, dass ich komme.
Vielleicht findet sich die ganze
Kolonie hier einmal zusammen,
das wäre herrlich.

August 23, 1908Sonntag

Ich wurde unterbrochen, hatte
die Post versäumt und inzwischen
habe ich heute Morgen Ihren
lieben Brief über Wien erhalten. Deutsche
Staatsbibliothek
Berlin

                                                                
<div xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" type="split"><p rend="indent-first" type="split"> daran halte ich fest.</p> <p><persName key="E0300059">Frau Gerta</persName> bitte ich innigst zu grüßen, <lb/>den Herren <persName key="E0300520" rend="latin">Gr<choice><orig>ü</orig><reg>ue</reg></choice>nberg</persName> und <persName key="E0300521" rend="latin">Closson</persName> viel <lb/>Herzliches, hoffentlich sehen wir uns <lb/>im Herbst.</p> <p rend="indent-first"> Von <persName key="E0300031">Petri</persName> hatte ich eine liebe Karte, <lb/>er weiß nun auch, dass ich komme. <lb/>Vielleicht findet sich die ganze <lb/>Kolonie hier einmal zusammen, <lb/>das wäre herrlich.</p> <postscript type="pre-split"> <opener> <dateline rend="align(center) underline"><date when-iso="1908-08-23">Sonntag</date></dateline> </opener> <p type="pre-split">Ich wurde unterbrochen, hatte <lb/>die Post versäumt<reg>,</reg> und inzwischen <lb/>habe ich heute Morgen Ihren <lb/>lieben Brief über <placeName key="E0500002">Wien</placeName> erhalten. <note type="stamp" place="bottom-right" resp="#dsb_st_red" xml:id="dsb_st"> <stamp xml:id="stamp_6" rend="round border align(center) small">Deutsche <lb/>Staatsbibliothek <lb/><placeName key="E0500029"><hi rend="spaced-out">Berlin</hi></placeName> </stamp> </note> </p></postscript></div>
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[4] Verscheuchen Sie jeden unangenehmen
Gedanken, liebster Freund, ich bitte
Sie; es tut mir weh Sie auch nur
für einen Augenblick damit
belastet zu wißen.

Aus ganzem Herzen freudigst
wird Ihr Wunsch erfüllt und ich
beauftrage die Creditanstalt mit
dieser Post 5000 Mk. an Ihre Adreße
zu senden.

Da all meine Geldangelegenheiten
durch Gomperz, Lieben erledigt
werden, ich. so merkwürdig es
klingen mag, nie Bargeld liegen
Deutsche
Staatsbibliothek
Berlin
habe, weil ich mehr brauche als

                                                                
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ich soll und darf, ich andererseits nicht
will, dass Ihr Name genannt wird,
habe ich mich an die Creditanstalt
gewendet, wo ich ein kleines Effekten
Depôt
habe.

Da Sie selbst die Rückzahlung an die
Bank zu machen wünschen, so schreibe
ich die Adreße auf und gebe die Form
an unter welcher es zu machen
ist. „An die k. k. priv. oesterr.
Creditanstalt für Handel und
Gewerbe
. Wien-I am Hof.
„Zur Gutschrift auf das Konto
Bar. Jella Oppenheimer-Todesco. Wien
I Kärnthnerstrasse 51.[“]

                                                                
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B II, 3437
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Ramgut
Aussee Steyermark

Warum müßen diese Widrig⸗
keiten die besten und edelsten
Menschen quälen. Was gäbe
ich gerade Sie verschont zu wißen
von sorgenden Gedanken,
von dem Zwang der Reisen,
die Ihre kostbare Zeit einengen
und Sie nicht immer frei
schaffen laßen. Wie unanständig
ist das Schicksal – und doch auch
gütig. Hat es mir doch Ihre
Freundschaft gebracht, die mir
so viel bedeutet.

Immer und für alle Zeiten
hält dieselbe hoch und teuer

Ihre Jella Oppenheimer

                                                                
<div xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" type="split"><postscript type="split"> <note type="shelfmark" place="top-left" rend="indent" resp="#archive">B II, 3437</note> <note type="foliation" place="top-right" resp="#archive">[5]</note> <fw place="left" rend="italic space-below"> <address rend="align(center)"> <addrLine><placeName key="E0500923">Ramgut</placeName></addrLine> <addrLine><placeName key="E0500901">Aussee</placeName><reg>,</reg> <placeName key="E0500863">Ste<choice><orig>y</orig><reg>i</reg></choice>ermark</placeName></addrLine> </address> </fw> <p rend="indent-first">Warum mü<choice><orig>ß</orig><reg>ss</reg></choice>en diese Widrig <lb break="no"/>keiten die besten und edelsten <lb/>Menschen quälen. Was gäbe <lb/>ich<reg>,</reg> gerade Sie verschont zu wi<choice><orig>ß</orig><reg>ss</reg></choice>en <lb/>von sorgenden Gedanken, <lb/>von dem Zwang der Reisen, <lb/>die Ihre kostbare Zeit einengen <lb/>und Sie nicht immer frei <lb/>schaffen la<choice><orig>ß</orig><reg>ss</reg></choice>en. Wie unanständig <lb/>ist das Schicksal – und doch auch <lb/>gütig. Hat es mir doch Ihre <lb/>Freundschaft gebracht, die mir <lb/>so viel bedeutet.</p> <closer><salute rend="indent-first">Immer und für alle Zeiten <lb/>hält dieselbe hoch und teuer</salute> <signed rend="align(right)">Ihre <persName key="E0300819">Jella Oppenheimer</persName></signed></closer> </postscript> </div>
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[Seite 2 des 3. Bogens]
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Berlin
                                                                
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[Seite 3 des 3. Bogens]
Deutsche
Staatsbibliothek
Berlin
                                                                
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Document

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Provenance
Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II, 3437 | olim: Mus.ep. J. Oppenheimer 6 |

proof Kalliope

Condition
Rechteckiger Ausriss auf dem letzten Blatt (unten, außen, offenbar ohne Textverlust); ansonsten gut erhalten.
Extent
3 Bogen, 9 beschriebene Seiten
Hands/Stamps
  • Hand des Absenders Jella Oppenheimer, Brieftext in violetter Tinte, in deutscher Kurrentschrift
  • Hand des Archivars, der mit Bleistift die Signaturen eingetragen und eine Foliierung vorgenommen hat
  • Hand des Archivars, der die Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Rotstift vorgenommen hat
  • Bibliotheksstempel (rote Tinte)
Image source
Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz: 123456789101112

Summary
Oppenheimer ist aus Belgien von ihrer Nordsee-Kur zurückgekehrt; ist in Aussee mit Besuch (u. a. von Hofmannsthal) ausgelastet; bedauert das Ende der Wiener Tage“ des privat fortgesetzten Meisterkurses; gewährt Busoni auf dessen Bitte hin einen Kredit über 5000 Mark.
Incipit
Was müssen Sie von meinem Schweigen nur denken?

Editors in charge
Christian Schaper Ullrich Scheideler
prepared by
Revision
August 25, 2024: candidate (coding checked, proofread)
Direct context
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